Ich hatte ja versprochen, hier persönliches zu schreiben. Alles beherrschendes Thema der letzten Wochen war meine Seminararbeit für die Fernuni Hagen. Mein Thema lautet:

„Datenschutz in sozialen Netzwerken“

Nachdem ich nahezu alle „Verpflichtungen“ im Dezember abgesagt habe, also das Privatleben habe Richtung null gehen lassen, um diese Arbeit zu schreiben, wurde diese tatsächlich fristgerecht fertig und in der erwünschten zweifachen Ausfertigung in Papierform – zusammen mit Ausdrucken aller besuchten und in der Arbeit genannten Internetseiten – eingereicht wurde, begann das Warten: Hat es gereicht? Wie wird die Arbeit wohl bewertet werden?

Parallel zum bangen Warten haben alle Seminarteilnehmer die Arbeiten aller anderer Seminarteilnehmer per Mail erhalten – 11 Arbeiten, von denen 10 gelesen sein wollten bis zum Seminar. Alle in einem Umfang von 20-25 Seiten, alle eher an der oberen gesetzten Grenze. Und gleichzeitig war ein eigener Vortrag vorzubereiten, Dauer 15 Minuten, entweder eine Zusammenfassung oder ein Schwerpunktthema der Arbeit. So zumindest hatte ich das verstanden, dazu am Ende nochmal mehr.

Nun, kurz gesagt, das hat alles hingehauen, auch wenn ein zusätzlicher Urlaubstag für mich erforderlich war, um den Vortrag zu erstellen. Und mich dabei zum ersten Mal in meinem Leben mit Powerpoint zu beschäftigen. Aber auch das hat dank Mithilfe von Hilferufen bei Facebook geklappt, danke an alle Unterstützer!

Donnerstag ging es dann direkt von der Arbeit mit der Bahn (mit nur sehr wenig Verspätung!) nach Hagen. Hagen – eine Stadt in NRW, die mich nicht zu begeistern vermag. Unterwegs habe ich wechselweise versucht, meinen Vortrag zu memorieren und meine Arbeit nochmal zu lesen. In Hagen angelangt ging es direkt ins Hotel, das Art Ambiente. Einfach, kleine Zimmer, aber ausreichend – und ein überaus herzlicher Service beim Frühstück. Dort dann kurz eine Kommilitonin getroffen und Frühstücks- und Abfahrtszeit für den nächsten Tag ausgemacht. Nach einem Abendessen im Polis, ein durchaus empfehlenswertes griechisches Restaurant um die Ecke (Elbersfelder Str. 92) mit einer genialen Metaxasosse, ging es dann ins Bett – nicht ohne nochmal den geplanten Vortrag zu lesen.

Magengrummeln und Aufregung, die schon in den Vortagen vorhanden waren und die auch den Schlaf erschwert hatten, namen am Freitag morgen noch mehr zu. Wusste ich doch nicht so recht, was mich erwarten wird. Wie sehr werde ich vom Professor, vom Lehrstuhl und von den Kommilitonen in die Mangel genommen werden? Auf der Fahrt zum Seminarort waren einige Kommilitonen mit im Bus, das hat dann etwas zur Beruhigung beigetragen. Dort angekommen und nachdem wir endlich den Saal betreten konnten, die Information, dass unser Seminar krankheitsbedingt nicht vom Professor geleitet werden wird. An dieser Stelle – gute Besserung!

Nach kurzer Einführung ging es direkt los, die ersten Vorträge begannen. Meine eigene Nervosität nahm immer mehr zu, schwankte aber auch stark, denn sobald etwas spannendes angesprochen wurde in der an die jeweiligen Vorträge anschliessenden Diskussionen, konnte ich mich gut beteiligen – und solange ich am diskutieren war, war auch die Anspannung weniger. Auch wenn nicht klar war, wie eigentlich die Diskussionsteilnahme bewertet werden würde: Ging es um die Art des Diskutierens? Um die rechtlichen Kenntnisse in der Diskussion? Um die Gesprächsanteile? Fairness?

Nun, nach dem Mittagessen (in der Kantine des Hagener Polizeipräsidiums, mit durchaus sehenswerter Auswahl und sehr humanen Preisen) war ich dann „fällig“.  Kurzfristig hatte ich noch gemerkt, dass ich eine Folie an die Wand werden würde, die ein riesiger Zahlenfriedhof ist – was ich auch entsprechend ankündigen wollte – nur dummerweise hatte ich übersehen, dass ausgerechnet diese Folie für den Rest des Vortrages stehen bleiben würde. Da würde ja keiner mehr auf den Vortrag achten – und ich fügte schnell noch eine kurze Dummyfolie ein 😉

Mein erster „längerer“ Vortrag vor anderen, ein Vortrag, der nicht nur in meine Bachelornote würde einfliessen, sondern der auch im Anschluss „verteidigt“ werden musste. Würden die Mitarbeiter des Lehrstuhls auch mit mir so „human“ umgehen wie mit den anderen zuvor? Nun, meinen Vortrag brachte ich, viel verhaspelnd, in der vorgegeben Zeit, nicht wörtlich wie hier (pdf) geplant, über die Bühne.

Dann ging es über in die Fragerunde – und im Gegensatz zu den vorherigen Diskussionen, wurden mir mehr direkte Fragen seitens des Lehrstuhles gestellt (so empfand ich es zumindest, vielleicht irre ich mich auch). Doch die Fragen waren zwar großteils rechtlicher Art – aber auch teilweise stark auf Facebook bezogen, das Netzwerk, das ich in meiner Arbeit ausführlich beleuchtet habe. Alles in allem konnte ich die Fragen dann doch recht gut beantworten, auch wenn ich gelegentlich mal passen musste. Die 45 Minuten Diskussion fühlten sich auch viel länger an, als die bei den anderen. Naja. Wenigstens da weiss ich, dass das nur gefühlt war.

Weiter ging es mit weiteren Vorträgen und Diskussionen. Alle waren dann doch etwas erleichtert, als der erste Tag vorüber war. Mit zwei Kommilitoninnen bin ich dann abends noch zu einem Italiener in Hotel- und Bahnhofsnähe, dem Ristorante bei Potito, gegangen. Auf die Sonderwünsche der beiden Damen, was den Belag der Pizza anging, wurde dort gerne eingegangen. Viel erwartet hatte ich nicht – doch das Essen war sehr, sehr lecker! Pasta mit Hühnchen-Chilli-Sosse. Dann ging es ins Bett, noch etwas lesen – die Anspannung war weitgehend abgefallen. Wobei immer wieder die Frage aufkam, wie wohl mein Vortrag ankam. Die beiden Mädels meinten schon, dass man mir die Nervosität und auch die Verhaspler nicht angemerkt habe. Aber wie war meine Diskussionsteilnahme – bei meiner Arbeit und bei denen der anderen? War es zuviel? Bin ich zu oft anderen ins Wort gefallen? Hätten meine Kommentare juristisch fundierter sein müssen? Kurz nach 21.30 Uhr muss ich dann lesend eingeschlafen sein – mein Roman lag am nächsten Morgen auf dem Fussboden. Da hat sich der Körper wohl zurückgeholt an Erholung, was er brauchte…

Am nächsten Tag dann wieder bis Mittag Vorträge und Diskussionen, dann „kurze Pause“ und anschliessend die Notenvergabe. Alle einzeln… Da standen wir nun alle im Treppenhaus und waren gespannt. Die ersten die raus kamen, hatten befriedigende Ergebnisse, keiner durchgefallen. Als ich dann dran kam, war ich doch sehr nervös, obwohl mir klar war, dass sich nun nichts mehr ändern kann. Die Noten wurden einzeln verkündet: Seminararbeit: 1,7 – ich konnte aufamten, sollte diese doch 50 % der Bewertung des Seminars ausmachen. Vortrag: 2,7 – Enttäuschung machte sich breit!

Diskussionsteilnahme: 1,0 – da konnte ich dann doch wieder strahlen und bedankte mich! Anschliessend wurde erläutert, wie es zu der Vortragsbewertung kam: Es wäre mehr erwartet worden, dass ich auf die sozialen Netzwerke und die dort gespeicherten Daten eingehe – statt wie ich es gemacht habe, mehr auf den Datenschutz selbst. Falsches Thema rausgepickt. Sie meinten, ich habe ja in der Diskussion anschliessend das alles sehr gut darstellen können, schade, dass ich es nicht in den Vortrag gepackt habe. Nun, ich nahm das so hin, wäre wohl auch ein spannenderer Vortrag geworden, dachte aber, ich solle in einem juristischen Seminar auch das juristische in den Vordergrund stellen. Besonders gefreut hat mich bei der Notenbekanntgabe die Aussage des Seminarleiters, dass ich mit meinen Diskussionsbeiträgen viel zum Seminar beigetragen und dieses bereichert habe. Das tat der Seele und dem Selbstwertgefühl entsprechend gut.

Alles in allem bin ich jedoch mit meiner Gesamtnote 1,7 sehr zufrieden – zumal von denen, die ihre Note bekannt gaben, das die (gemeinsam mit einem Kollegen, witzigerweise ebenfalls aus der Versicherungsbranche, der einen wirklich souveränen Vortrag gehalten hat) auch die beste Note des Seminars war (wie gesagt, 2-3 haben ihre Note nicht bekanntgegeben, ggf. waren hier auch jemand noch besser). Die beiden Nächstplazierten waren dann auch die Mädels, mit denen ich tags zuvor abends Essen war – da habe ich mich dann auch sehr darüber gefreut.

Alles in allem lässt sich sagen, dass das Ganze sich verrückt machen, die Gedankenkreisel, das schlechte Schlafen in den Tagen zuvor, vollkommen unnötig waren. Hätte ich doch nur auf N. gehört, die immer sagte, ich kann das doch…

Abschliessend danke ich hier dem Lehrstuhl, denn die Mitarbeiter haben sehr dazu beigetragen, die Teilnehmer zu beruhigen. Wir hatten den Endruck, dass tatsächlich an unseren Meinungen zu den andiskutierten Problemen grosses Interesse bestand.  Ebenfalls danke ich den KommilitionenInnen für das faire Miteinander. Bis auf einen Ausreißer, wobei diese Person vermutlich nicht einmal absichtlich (bewusst) zum Unmut der anderen beitragen hat, haben alle versucht, die Diskussionen so zu bereichern, dass keine Fallstricke auftraten. Und auch die immer wieder aufmunternden Worte der anderen haben mir persönlich gut getan. Weiter danke ich N., dass sie schon im Vorfeld immer wieder beruhigend auf mich einwirkte und auch die Präsentation auf (Schreib-) Fehler geprüft hat. Und – noch viel weiter zurück- aber auch zusammenhängend, gilt mein herzlicher Dank auf Stephi fürs Gegenlesen der Seminararbeit auf Schreib-/Grammatik- und Wortauslassungsfehler. Das war eine nächtliche Hauruckaktion, dafür hast echt was gut bei mir! Und last, not least, auch einen herzlichen Dank an meinen  Chef, der mir trotz nicht gerade wenig Arbeit zur Zeit, verständnisvoll kurzfristig einen Tag gegeben hat, damit ich den Vortrag vorbereiten konnte.

Jetzt steht nur noch eine Klausur an. Das betriebswirtschaftliche Wahlmodul „Personalführung“. Und die Bachelorarbeit – doch das Thema erhalte ich erst im April, dann habe ich 12 Wochen Zeit, diese zu schreiben. Neben dem am 1.4. beginnenden Masterstudium. Und dem da belegten Modul „Zivilrecht“ – das derselbe Lehrstuhl betreut, der auch das Seminar und die Bachelorarbeit betreut(e). Es geht also weiter…

Und weil immer wieder Frage kommt, ob man meine Seminararbeit lesen könne – das muss ich noch klären, da mein Betreuer am zweiten Seminartag leider nicht mehr anwesend war. Ich werde entsprechend informieren 😉

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